GKH Buch

50 Jahre Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke.

Ein Impuls schreibt Geschichte – Erinnerungen, Erlebnisse, Visionen

Herausgegeben vom Trägerkreis des Gemeinnützigen Vereins
zur Förderung von Gemeinschaftskrankenhäusern e. V.

Softcover, 280 Seiten. 15,00 €.

Die Begründung des Herdecker Krankenhauses und der hieraus entstandenen Universität Witten/Herdecke waren große geistige Abenteuer im Deutschland der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Schon bei der Eröffnung des Krankenhauses war alles neu! Kein Chefarzt. Gemeinsame verantwortliche Tätigkeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Entkoppelung von Arbeitsleistung und Einkommen. Rooming-in auf der Neugeborenenstation. Bemühungen um eine menschenwürdige Sterbebegleitung im Krankenhaus. Und anderes mehr. Es gab auch die explizite Vorwegnahme von Impulsen für die Gesamtausrichtung der Medizin, die erst jetzt, in der Gegenwart, ihre wahre Bedeutung zeigen: die ausdrückliche Bemühung um eine patientenzentrierte und nicht profitorientiere Medizin sowie das ausdrückliche Streben nach einer Steigerung der individuellen patientenbezogenen Erkenntnis- und Urteilskraft aller im Krankenhaus beteiligten Heilberuflerinnen und Heilberufler.

Bereits bei seiner Eröffnung war dieses Krankenhaus – obwohl es abseits in einem Nebental des kleinen Ruhrgebietsorts Herdecke lag – sofort das damals bekannteste Krankenhaus Deutschlands. Der Presserummel war immens. Zwölf Ärzte, so konnte man in einem damaligen Massenblatt lesen, haben „das billigste und dennoch eines der besten Krankenhäuser Deutschlands gebaut“. Finanziert war es aus Eigenmitteln und mit zwei hohen Hypotheken. Und was, zumindest im Hintergrund, vielleicht das Bemerkenswerteste an diesem so billig gebauten, dennoch so revolutionär neu gedachten und gleichzeitig doch ganz normalen State-of-the-Art-Versorgungskrankenhaus der Region Herdecke war: Hier wurde gedacht, gehandelt und therapiert auf der Basis des Gedankenguts der Anthroposophie.

Möchte man heute, 50 Jahre später, nacherleben, wie dieses große Abenteuer in seinen vielen kleinen Details, oft mit viel Humor, menschlich realisiert wurde, dann greife man zu dem jetzt erschienenen Erinnerungsband. Den Autorinnen und Autoren gebührt nachdrücklicher Dank! Sie lassen damalige Akteure unmittelbar zu Wort kommen und sie zeigen, wie viele Menschen von damals und auch der späteren Zeit dankbar zurückblicken auf die essenziellen Impulse, die sie aus ihrer Mitarbeit im Krankenhaus mitgenommen haben in ihr weiteres Leben. Wie viele Schicksalsknoten gab es dort: Karma-City!

Alles in diesem Erinnerungsband liest sich lebendig. Man sieht anrührende Bilder. Man kann eintauchen, als wäre man mitten drin im Geschehen. Nicht wenige der nachlesbaren Gedanken und Konzeptionen sind auch heute noch anregend und relevant.

Die Begründung des Herdecker Krankenhauses vor 50 Jahren war der erste Akt. Der zweite Akt, und zwar auf der Grundlage dieses Krankenhauses, war die Begründung der Universität Witten/Herdecke, der ersten deutschen Universität in freier Trägerschaft nach 650 Jahren kirchlicher oder staatlicher Oberhoheit über das Universitätswesen. Beide Impulse, Krankenhaus und Universität, werden ihre Auswirkungen auch noch im jetzigen 21. Jahrhundert weiter entfalten.

Dr. Helmut Kiene
Institut für angewandte Erkenntnistheorie und
medizinische Methodologie (IFAEMM) e.V.

Leave A Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.