40. Bücherbrief der Herdecker Bücherstube

Liebe Freunde der Herdecker Bücherstube,

Das abklingende Jahr: ein Jahr der Einschränkungen, der Verluste und der Ängste. Gegen letztere ist ein gesundes Geistesleben unabdingbar: die Kultur und als besonderer Teil davon- die Literatur- sind heilsame Kräfte. So kann das gute Buch zum Halt in dieser ach so verwirrten Welt werden.

Thomas Hettche: Herzfaden
Geb.; 286 S.; 24,00 €

„Herzfaden“ ist nicht nur ein Roman über die Augsburger Puppenkiste, sondern auch eine literarische Geschichtsstunde. Auf zwei Erzählebenen werden Gegenwart und Vergangenheit verknüpft. Wir erfahren die Familiengeschichte des Puppenspiel-Erfinders Walter Oehmichen und seiner Tochter Hannelore in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in Augsburg, bekommen Einblick in die Welt des Puppenspiels und werden auch in die Gegenwart versetzt.

David Grossman: Was Nina wusste
Geb., 351 S.; 25,00 €

Der bekannte israelische Schriftsteller, David Grossman, schreibt über die Lebensgeschichte einer Frau, die er selbst kennengelernt hat. Vera, 90 Jahre alt, ihre Tochter Nina, die Enkelin Gili sowie ihr Schwiegersohn reisen aus Israel in die „Vergangenheit“ – auf eine ehemalige Gefängnisinsel in Kroatien. Warum wurde die jüdische, ehemalige Partisanin Vera zu einer langen Haftstrafe verurteilt und warum hat sie sich nicht für ihre damals sechsjährige Tochter entschieden, die allein auf der Straße zurückblieb? Ein erschütternder Roman um Schuld und Moral, aber dank der alten, skurrilen Vera auch stellenweise zum Schmunzeln.

Wolfgang Büscher: Heimkehr
Geb.; 280 S.; 22,00 €

In den Wald seiner Kindheit, dorthin kehrt Büscher zurück. Er quartiert sich in einer kargen Jagdhütte ein und lässt uns teilhaben, an seinen genauen Beobachtungen, an Gedanken und Erlebnissen, etwa eine Wanderung, ein Schützenfest, radikale Einsamkeit oder Gespräche mit dem Förster. Es ist durchaus eine Liebeserklärung an die Natur ohne falsche Romantik, immer eingebettet in vortreffliche Prosa.

Sigrid Damm: Wandern- ein stiller Rausch
Geb.; 160 S.; 24,00 €

Die Schriftstellerin Sigrid Damm und ihr Sohn schreiben zeitversetzt ein Tagebuch über ihre einwöchige Wanderung durch das Land der Samen. Doch nicht nur die Huldigung der Natur und Stille in Schwedisch-Lappland, sondern die tiefsinnigen Gedankenreisen der beiden Wanderer machen dieses kleine Buch wertvoll.

Paul Maar: Wie alles kam
Geb.; 304 S.; 22,00 €

Das Sams hat uns alle zum Lachen gebracht. So fröhlich wie seine Bücher war das Leben, von dem uns der Kinderbuchautor Paul Maar erzählt, nicht. Er kommt 1937 zur Welt, seine Mutter verstirbt sehr früh, der aus dem Krieg zurückkehrende Vater ist unbarmherzig und sehr streng. Paul Maar schreibt dieses sehr persönliche Buch jedoch ohne Verbitterung. Trotz düsterer Zeiten gibt es viele Anekdoten, humorvolle und berührende Momente aus seinem Leben zu berichten. Bewegende Erinnerungen eines besonderen Menschen.

Caspar David Friedrich trifft Dichter der Romantik
Geb.; 143 S.; 20,00 €

Für Goethe war Caspar David Friederich ein Wolkengucker, der mit seiner romantischen Art für ihn ein rückwärts-gewandter Künstler war. Aber sind es nicht

gerade diese stimmungsvollen Bilder, die auch heute noch verzaubern? Den 51 Gemälden hat der Reclam Verlag sehr gelungen 51 Gedichte der Romantik gegenübergestellt.

Jehuda Amichai: Offen – Verschlossen – Offen
Geb.; 150 S.; 25,00 €

Nahezu unbekannt ist bei uns dieser in Israel bekannte Lyriker, der 2000 im Alter von 76 Jahren verstarb. Geboren in Würzburg zogen seine Eltern 1935 nach Palästina. Er wurde Lehrer und war lange Soldat in den vielen Kriegen, denen Israel ausgesetzt war. In der jüdischen Tradition gepaart mit seinem kritischen Bewusstsein schreibt er in einer einfachen, poetischen Sprache Gedichte, die den Leser nachdenklich stimmen und tief berühren.

Bernhard Weßling: Der Ruf der Kraniche
Geb.; 412 S.; 20,00 €

Zahlreiche Mythen und Fabeln ranken sich um Kraniche. Sie gelten als Vögel des Glücks und stehen auch für Klugheit und langes Leben. Viele Menschen sind fasziniert von diesen Vögeln, die zweimal im Jahr in charakteristischer Formation und mit ihren typischen Rufen über uns hinweg ziehen. Bernhard Weßling berichtet in seinem Buch von jahrelangen Beobachtungen im Duvenstedter Brook bei Hamburg, wo Kraniche in enger Nachbarschaft mit Menschen leben. Kommunikation, Familienleben, Zugverhalten und Werkzeuggebrauch der Tiere beschreibt er auf unterhaltsame und spannende Weise. Beachtenswert sind auch die beiden Bildteile mit ungewöhnlichen Aufnahmen von Szenen aus dem Kranichleben. Es ist ein Vergnügen, dem engagierten Naturforscher bei seiner Arbeit zu folgen.

Patrik Svensson: Das Evangelium der Aale
Geb.; 252 S.; 22,00 €

„Ekelig, der Aal! Ein Buch ganzes Buch zu diesem Thema?“. Wenn man dieses unterhaltsame Sachbuch beiseitelegt, ist man fasziniert von diesem Urgeschöpf. Als Kind war der Autor mit seinem Vater sommers zum Aalfischen an die schwedischen Flüsse gefahren. Und so wurde aus dieser Vater-Sohn-Geschichte auch eine historische Abhandlung des Aals. Dieser war für die Menschheit immer ein Rätsel: Ist er Fisch? Legt er Eier oder bringt er Junge zur Welt? Salzwasser – und Süßwasserwesen! Von der erste große Studie von Aristoteles von vor 2000 Jahren bis hin zu Sigmund Freund haben sich zahlreiche Forscher mit einem der großen Rätsel der Naturwissenschaft auseinandersetzt. Großartig geschrieben.

Marc Jeanson / Charlotte Fauve: Das Gedächtnis der Welt
Geb.; 224 S.; 22,00 €

Marc Jeanson, der Direktor des Herbariums am Museum für Naturgeschichte in Paris und des Botanischen Gartens in Marrakesch, lässt die Geschichte der Botanik Revue passieren. Er erzählt anekdotisch über Abenteurer, die sich in früheren Jahrhunderten zusammen oder in Personalunion mit Kolonialisten und Missionaren auf gefährliche Reisen begaben. Sie brachten große Mengen von Belegen der unglaublichen Vielfalt der Pflanzenwelt nach Europa, wo diese wissenschaftlich ausgewertet werden konnten. Nebenbei schildert der Autor auch seinen eigenen Werdegang und seine Forschungsreisen. Es handelt sich hier nicht um ein streng aufgebautes Fachbuch, sondern bringt dem Leser die Botanik feuilletonistisch näher.

Prof. Michael Bockemühl/ David Hornemann: Kunst sehen
Kt.; ca. 100 S.; 16,80 €

Zwei weitere Bänder dieser besonderen Kunstreihe sind erscheinen: Salvadore Dali und Paul Klee. Das ideale Kunstbuch zum Verschenken oder für das Selbststudium.. Basierend auf den Vorlesungen von Prof. Bockemühl Anfang der 1990er Jahre bringt der Info3-Verlag insgesamt 20 Bände heraus. Die zentrale Botschaft der Vorträge war „Der Künstler ermöglicht, was der Anschauende verwirklicht“. Es sind keine reine Künstlerbiografien im üblichen Sinn, sondern geführte Bildbetrachtungen, die dem Betrachter alle Freiheit lässt.

Kinder-u. Jugendbücher

Kommt in die Felder, Wiesen und Wälder!
365 Gedichte für jeden Tag
Gb., 320 S.; 22,00 €

Eine außergewöhnlich schöne Sammlung mit klassischen und zeitgenössischen Gedichten und Kinderliedern aus dem Volksgut, begleitet uns durch die Jahreszeiten. Ein Hausbuch für Kinder und die ganze Familie und eine poetische Einladung im Alltag innezuhalten.

Rachel Williams: Wunder Natur
Geb.; 128 S.; 20,00 € ab 8 Jahren

Jeden Tag geschehen in der Natur große und kleine Wunder und bleiben von uns unbemerkt. Dieses schön illustrierte Kinderbuch erzählt in 50 Geschichten aus dem Leben von Tieren und Pflanzen. Ein Naturbuch der besonderen Art, das Kinder und Erwachsene zum Innehalten und Staunen bringt.

Susin Nielsen: Adresse unbekannt
Geb., 272 S., Ab 12 Jahren, 17,00 €

Felix wohnt mit seiner Mutter in einem VW-Bus. Eigentlich war das als Übergangslösung gedacht, doch die Situation wird für die beiden immer schwieriger. Als sie sich finanziell kaum noch über Wasser halten können, versucht Felix, das Problem auf seine Art zu lösen.

Susin Nielsen gelingt es, Themen wie Wohnungslosigkeit und Sozialer Abstieg zu behandeln, ohne dabei auf Humor und Spannung zu verzichten. Die Geschichte über den Mut des liebeswert-verschrobenen 12-Jährigen und seinen Willen, die Dinge mit Hilfe seiner Freunde wieder ins Lot zu bringen, ist fabelhaft erzählt und auch für Ältere sehr empfehlenswert.

Kirab Millwood Hargrave: Der Winter des Bären
Geb.; 255 S., ab 10 Jahren, 14,00 €

Mila lebt mit ihren drei Geschwistern auf einem abgelegenen Hof. Seit fünf Jahren herrscht Winter im Eldbjorn Wald.Eines Tages tauchen Fremde auf und bitten um Obdach für eine Nacht. Am nächsten Morgen sind sie verschwunden, genauso wie Milas Bruder Oskar und andere Jungs aus dem Dorf. Zusammen mit ihren Schwestern und den treuen Schlittenhunden machen sie sich auf die Suche nach ihrem Bruder, Auf ihrem Weg treffen die Mädchen auf den geheimnisvollen Zauberer Rune, der schnell zu ihrem Verbündeten wird. Eine märchenhafte Wintergeschichte voller Spannung und Magie und ein zauberhaftes Buch über Mut, Vertrauen und Zusammenhalt

Talal Levi: Wo ihr mich findet
Geb., Ab 4 Jahren, 15,00 €

Weil ihr die Eltern keine Beachtung schenken, packt ein Mädchen kurzerhand ihren Rucksack und geht hinaus in die Natur. Natürlich kommt sie abends wieder nach Hause, glaubt man. Doch sie bleibt tatsächlich allein im Wald und verbringt dort die ganze Nacht! Am nächsten Morgen geht ihre Wanderung weiter und sie begegnet an ihrem Lieblingsort schließlich auch denen, die ihr am liebsten sind.
Taltal Levis Illustrationen sind reduziert, aber ausdrucksstark. Ein bezauberndes Buch über ein mutiges und freiheitsliebendes Mädchen, das seine Angst überwindet und dafür mit dem Reichtum der Natur belohnt wird.


Wir bedanken uns bei allen Kunden, die uns in diesem Jahr- vor allem in den Wochen des Lock-down- unterstützt haben.


Alle Mitarbeiter der Herdecker Bücherstube wünschen ein Frohes Weihnachtsfest und ein
gutes neues Jahr 2021

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Die Buchhandlung am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke Telefon (02330) 73915